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Plansecur-Studie: Finanzexperten halten Zusammenbruch des Sozialversicherungssystems für möglich - Deutschlands wohlfahrtsstaatlicher Zwangsapparat und die ungezügelten Versprechungen der politischen Klasse
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Newsgroup: cl.politik.allgemein
Posted by: Matthias Schmitz
2006-08-25 08:52:16

Wiesbaden/Bonn, www.ne-na.de – Der demografische Wandel wird in absehbarer
Zeit erhebliche Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft in
Deutschland haben. Deutsche Finanzexperten erwarten, dass unser
Sozialversicherungssystem trotz bereits erfolgter Reformen künftig vor
massiven Problemen stehen wird. Eine aktuelle Studie der
Finanzberatungsgesellschaft Plansecur http://www.plansecur.de ergab, dass
71 Prozent der befragten Finanzberater einen vollständigen Zusammenbruch
des Sozialversicherungssystems für möglich halten. „Lediglich fünf Prozent
glauben an dessen Fortbestehen“, berichtet Thibaut Liminski, der in
Wiesbaden für die Plansecur berät.

Andere Auswirkungen des demografischen Wandels auf Wirtschaft und
Gesellschaft werden wie folgt bewertet: 73 Prozent der Finanzexperten
nehmen an, dass die Bevölkerungszahl spürbar zurückgehen wird. Fast jeder
zweite der Befragten (45 Prozent) glaubt, dass es zu einem
Generationenkonflikt kommen kann. Die Wirtschaftskraft in Deutschland wird
nach den Ergebnissen der Studie in den nächsten 20 Jahren aber nicht
zurückgehen. „Nur 26 Prozent der Befragten meinen, dass die Produktivität
auf Grund weniger junger Arbeitnehmer sinken wird“, sagt Liminski. Die
Beschäftigung mit den Folgen des demografischen Wandels ist aus Sicht der
Befragten sehr wichtig. Auf die Frage „Was werden die wichtigsten
politischen Aufgaben der nächsten 20 Jahre sein?“ antworteten 89 Prozent:
den demografischen Wandel in den Griff zu bekommen.

Dass die Sozialversicherung und besonders die gesetzliche
Rentenversicherung sich zu einem wohlfahrtsstaatlichen Sprengsatz
entwickeln würden, war schon bei der ersten Renten-Reform 1957 absehbar
und wird bis heute von der politischen Klasse ignoriert. "Damals musste
die Politik berücksichtigen, dass die Generation, die in den 50er und 60er
Jahren ins Rentenalter kam, kaum Gelegenheit hatte, während ihres
Erwerbslebens individuell für ihr Alter vorzusorgen. Zwei Kriege und ihre
Nachwirkungen hatten das Vermögen der meisten Privathaushalte vernichtet
und neues Vermögen nicht entstehen lassen. Das Geldvermögen aller privaten
Haushalte lag nur bei rund 10 Milliarden Euro, was einem Betrag von 500
Euro pro Haushalt entsprach. Ähnlich gering war die Versorgung mit mobilen
und immobilen Gütern. Auch die Spartätigkeit stand erst am Anfang. Der
Durchschnittshaushalt sparte damals jährlich 80 Euro, das waren drei
Prozent des verfügbaren Jahreseinkommens. Das waren die Hauptmotive für
die Einführung des Umlageverfahrens und des dynamischen Rentensystems, um
auch den Rentenempfänger am wirtschaftlichen Aufschwung zu beteiligen.
Statt Rücklagen zu bilden, wurden von den Zwangsmitgliedern der
gesetzlichen Rentenversicherung anfangs 15 Prozent des Bruttolohnes
abgeführt und sofort für Rentenzahlungen verwendet", schreibt der Bonner
Wirtschaftsjournalist Gunnar Sohn in der Printausgabe der Zeitschrift
NeueNachricht http://www.ne-na.de zum Schwerpunktthema "Deutschland
schrumpft". Das führte zu einer drastischen Rentenerhöhung und ermöglichte
es, die Rentenhöhe fortan dynamisch an die Bruttolohnentwicklung zu
koppeln.

"Freilich hatte es den Nachteil, dass seither keinerlei Rücklagen mehr
gebildet wurden - jede Generation finanziert faktisch mit ihren Beiträgen
nicht ihre eigene Altersversorgung, sondern die der eigenen Eltern und
Großeltern. Die Reform beruhte maßgeblich auf einer höchst umstrittenen
Studie des Kölner Wirtschaftswissenschaftlers Wilfried Schreiber, dessen
Konzept allerdings nur unvollständig umgesetzt wurde. Schreiber hatte
vorgesehen, die für den Fortbestand des Systems unabdingbare Förderung der
Geburtenrate in das System einzubeziehen, unter anderem durch eine
Kinderrente und eine Beitragsverdoppelung für Kinderlose. Der damalige
Bundeskanzler Konrad Adenauer entschied sich gegen solche Komponenten und
lag damit im Widerspruch zu seinem Wirtschaftsminister Ludwig Erhard und
zu den ordoliberalen Architekten der Sozialen Marktwirtschaft", so Sohn.

Das allmähliche Umschlagen der Marktwirtschaft in einen Wohlfahrtsstaat,
beschleunigt durch populistischen Wahlversprechen zur Bundestagswahl 1957,
erzürnte vor allen Dingen den Ökonomen und Erhard-Berater Wilhelm Röpke:
„Je mehr nun aber dieses Prinzip des Wohlfahrtsstaates ausgedehnt wird, um
so näher rückt der Augenblick, da die riesige Pumpmaschine zu einer
Täuschung für alle wird, zu einem Selbstzweck, der eigentlich niemanden
mehr dient außer den davon lebenden Maschinisten, die natürlich alles
Interesse daran haben, die Täuschung nicht ruchbar werden zu lassen“.
Schon im Frühjahr 1956 legte Röpke seine Einsprüche vor: Die
generationenübergreifende Umlagefinanzierung, wie sie Adenauer vorschwebe,
verstopfe die Quellen der Kapitalbildung, leiste dem wirtschaftspolitischen
Expansionismus Vorschub und sei nichts anderes als eine Zwangsversorgung.
Nachdrücklich sprach er sich für ein kapitalgedecktes System aus, das
einen wesentlichen Beitrag zur volkswirtschaftlichen Kapitalbildung
leisten könne und damit seine eigenen Grundlagen sichere.

Anstelle des populären Prinzips der kollektivistischen Fremdvorsorge
forderte eine Verbreiterung der Eigen- und Gruppenvorsorge. Die Forderung
nach einer abstrakten „Solidarität der Generationen“ wies er zurück: „Ihr
Fehler besteht darin, das Struktur- und Moralprinzip der Familie von
dieser echtesten aller Gemeinschaften auf die im Staate organisierte
Gesellschaft als Ganzes zu übertragen, auf die es nicht anwendbar ist,
ohne sich in etwas ganz anderes, nämlich in Kollektivismus, zu
verwandeln.“

Die ungezügelten Versprechungen des Staates würden einen gewaltigen
Zwangsapparat hervorbringen, dessen ökonomische Ergebnisse eher früher als
später enttäuschen müssten. "Der um seinen Wahlsieg bangende Kanzler
Adenauer scherte sich um solche Mahnungen wenig und setzte genau das
durch, was Röpke als kollektive Zwangsversicherung geißelte. Der in dieser
Zeit politisch geschwächte Ludwig Erhard stimmte dem Umlagesystem nur unter
der Bedingung zu, dass die Bürger auch zur Eigenvorsorge angehalten würden.
Leider war dafür der Anreiz nicht sehr hoch. Die Fördersummen in der
privaten Vorsorge sind bis heute sehr gering, zu zersplittert und erlauben
kaum eine zielgerichtete Vorsorge, wenn man einmal von Lebensversicherungen
absieht, die jedoch keinesfalls als Synonym für private Vorsorge gesehen
werden dürfen", führt Sohn weiter aus.

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